Sascha Koller: „Es war die längste Wanderung meines Lebens!“

Vom Krebspatienten zum Kilimandscharo-Besteiger: Der Neckarweihinger Sascha Koller präsentiert beim Bürgerverein seines Heimatortes mit einer eindrucksvollen Multivisionsschau wichtige Stationen seines Lebens und will Mut machen.

Es waren fast 30 Interessierte zur Veranstaltung des Bürgervereins in den Musiksaal der Friedrich-von-Keller-Schule gekommen. Mit einer Multivisionsschau stellte Sascha Koller sein Buch "Vom Krebspatienten zum Kilimandscharo-Besteiger" vor. 

Nachdem Roland Schmierer, der Vorsitzende des Neckarweihinger Bürgervereins, alle Anwesende begrüßt hatte, nahm Sascha Koller sein eZuhörer mit in sein Leben. Er berichtete aus seiner Kindheit in Neckarweihingen und schließlich über die ersten Anzeichen seiner Krebserkrankung. Dann die Diagnose und seine Gefühle während dieser schweren Zeit. Sehr eindrücklich sahen sie in der Multivisionsschau wie eine brennende Kerze immer kleiner wurde und dahin schmolz.

Spätestens in diesem Moment ging jede/r in sich und überlegte: „wie würde es mir selbst in dieser Situation ergehen“? 

Nach überstandener O.P. kam die Zeit der Bestrahlung und Sascha Koller las aus seinem Buch das Kapitel: "Bestrahlung - keine Schmerzen - " ich bin so müde! Noch schlimmer als die Müdigkeit war jedoch der Verlust des Geschmacksinnes und damit des Appetits. Egal was ich aß; Alles schmeckte als würde ich Papier ablutschen." 

Er erklärte uns den Teufelskreis des Keinen Appetit-Habens. Dadurch verlor er rasant an Gewicht und wurde natürlich körperlich immer schwächer.

Und er las wieder vor:

"Nun wurde auch die Übelkeit zu meinem ständigen Begleiter, ich konnte kaum noch feste Nahrung bei mir behalten. Ich fühlte mich wie ein körperliches Wrack. Zudem setzte der strahlenbedingte Haarausfall ein, büschelweise gingen mir dir Haare im Schlaf aus. Nach etwa der Hälfte meiner 31 Bestrahlungstermine schaute ich im Badezimmerspiegel in ein trauriges, ausgemergeltes Gesicht .Sämtliche Kopfhaare und Augenbrauen waren verschwunden und ich hatte mehrere Kilogramm abgenommen. Es war nicht mehr zu übersehen: Dieser Mann hat Krebs." 

Zu dieser Zeit befand er sich am tiefsten Punkt seines bisherigen Lebens, schwach, nicht mehr imstande etwas zu tun. Er konnte noch ein bisschen fernsehen, ein bisschen Tour de France anschauen und der Reporter berichtete vom heutigen Etappensieger Lance Armstrong, der vor zwei Jahren noch an Krebs erkrankt war. Es war der 11.07.1999 und die Lebensgeister von Sascha Koller waren erwacht, wenn Lance Armstrong dies schaffte, warum er nicht ? Dieser Tag bedeutete die Kehrtwende im Kampf gegen seine Krankheit. 

Knapp zwei Monate später kam im Fernsehen wieder eine Live-Übertragung, dieses Mal von der 33-stündigen Durchsteigung der Eiger-Nordwand. 

Diese zwei Fernseh-Reportagen waren Schlüsselerlebnisse, sodass unser Patient neue körperliche Herausforderungen mit sich nach der Zeit der Krankheit vereinbarte.

Sascha Koller wurde gesund und körperlich immer aktiver. Es folgten Fernreisen mit lieben Freunden und auch ein Marathon - und dann die Idee auf den Kilimandscharo zu steigen.

Nach sieben Monaten Training war er bereit für die Tour auf den Kilimandscharo (5.895 Meter Höhe).

Wir sahen Bilder vom Regenwald, hörten von dem sagenhaften Sternenhimmel und von dem Luxus-Zelt, in dem "coffee" oder "tea" einem an den Schlafsack serviert wurde.

Das Fazit dieser Bergbesteigung beschrieb er so:

"Es war die längste Wanderung meines Lebens. Es war die härteste Wanderung meines Lebens. Es war die schönste Wanderung meines Lebens." Er will den Menschen Mut machen, auch schwierige Phasen ihres Lebens zu meistern. 

Nach dem Ende des Vortrages stand Sascha Koller noch für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung. Es war ein gelungener Abend (trotz des schwierigen Themas) und ich fühlte mich während der gesamten Zeit so wohl wie im Wohnzimmer meines besten Freundes.

 

Aufnahme: Claudia Böhm (Bürgerverein) und Wolfgang Koller