Friedrich von Keller

Geboren 18.02.1840 in Neckarweihingen, gestorben 26.08.1914 in Abtsmünd

files/bvn/bilder/Persoenlichkeiten/Friedrich von Keller_175.jpg
Friedrich von Keller um 1909
  Friedrich von Keller wurde als jüngstes von zehn Kindern am 18 Februar 1840 in Neckarweihingen geboren. Sein Vater, Johann Jakob Keller, war ein Weingärtner und Totengräber, der bereits im Jahr 1849 verstarb. Wäre der Vater am Leben geblieben, so ist anzunehmen, wäre Kellers Weg zur Künstlerschaft einfacher gewesen, denn der Vater zeigte auch künstlerische Begabung.

Pfarrer Stotz und Dekan Christlieb von Ludwigsburg wurden auf die zeichnerische Begabung des Knaben aufmerksam und ermöglichten, dass der Knabe an den Mittwoch- und Samstagnachmittagen den Zeichenunterricht in Ludwigsburg an der gewerblichen Fortbildungsschule besuchen durfte. Jedoch fehlten der Mutter die Mittel, um dem Sohn die Künstlerlaufbahn zu eröffnen. Es blieb ihm daher nichts 
anderes übrig, als den Weg über das Handwerk zu nehmen. Der erste Versuch bei einem rauhen Malermeister missglückte und so blieb ihm nach wiederholten Versuchen nichts anderes übrig, als für eine Fabrik zu arbeiten. Er malte Kaffeebretter und ähnliches.

 

Mit achtzehn Jahren machte er sich auf nach Stuttgart, um in die Kunstschule einzutreten, doch er sah bald ein, dass der Plan bei seiner Mittellosigkeit für jetzt unausführbar war. Er besuchte in den Abendstunden die Zeichenschule des Polytechnikums und ließ die Blechmalerei fahren und ging in die Zeichenschule für Zimmermaler. Mit 27 Jahren konnte er endlich die Kunstschule besuchen. Der König bewilligte ihm, trotz Überschreitung der betreffenden Etatmittel, auf die Fürsprache von Direktor Neher und Professor Rustige ein Schulstipendium für das laufende Etatjahr in Höhe von 125 Dukaten. Seinen Lebensunterhalt erwarb er sich neben seinem Studium durch Wappen- und Buchstabenmalerei und verdiente dabei so viel, dass er auch noch seine Mutter unterstützen konnte.   files/bvn/bilder/Persoenlichkeiten/Geburtshaus_Fr_v_Keller_175.jpg
Geburtshaus in der
Hauptstraße 72

1871 übersiedelte er nach München, da er in Stuttgart nicht die seinem Wesen entsprechende Förderung bekam. In München lebte er zunächst als selbstständiger Maler und schon seine ersten Bilder erregten Aufsehen. Er ging noch einmal auf die Kunstschule, um die „Historienmalerei“ zu studieren. Hier begann auch seine Freundschaft mit Franz Defregger.

   files/bvn/bilder/Persoenlichkeiten/Tafel_Friedrich_von_Keller_175.jpg

In die Zeit von 1872 – 1878 fallen Skizzen und Gemälde verschiedener Steinbrecher-Szenen, welche ihm rasch einen Name erwarben. Nun war er glücklich, dass seine Kunst ihren Mann ernähren konnte und mit sechsunddreißig Jahren, am 16. Oktober 1876, konnte er das Mädchen heiraten, dem er seit früher Jugend in unwandelbarer Treue zugetan war. Ein Jahr später kam sein Sohn Fritz auf die Welt und im Juli 1879 erblickte seine Tochter Ernestine Sophie das Licht der Welt. 1883 wurde er als Lehrer an die Stuttgarter Akademie berufen. 1908 feierte er sein 25-jähriges Jubiläum als Lehrer an der Stuttgarter Kunstakademie und war zum Erzieher einer ganzen Generation geworden. Dafür verlieh ihm der König 1909 das Großkreuz der Württembergischen Krone. Bei seinem Ausscheiden als Direktor der Württembergischen Kunstakademie erhielt er vom König die ganz selten verliehene große goldene Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft.

Am 19. Februar 1907 schrieb Dr. I. Baum in der Frankfurter Zeitung u.a.: „Kaum ein anderer deutscher Maler verdient so sehr, gerade heute in so helles Licht gerückt zu werden, wie der Schwabe Friedrich von Keller. Was ihn uns heute so besonders groß und zeitnah erscheinen lässt ist die Tatsache, dass dieser Schwabe, man kann wohl sagen, als erster deutscher Maler, das Hohelied der Arbeit angestimmt hat. Frei von falscher Sentimentalität und leerer Pathetik, hat er viele Dutzende körperlich schwer arbeitende Menschen geschildert: den Erdarbeiter, die Männer im Steinbruch, in der Gießerei, im Walzwerk, Steinschleiferei und im Eisenhammer. Die Schönheit und stets auch der Segen der Arbeit sind in diesen kraftvollen Kellerschen Arbeitergestalten künstlerisch erlebt.

Im Jahr 1913 bat er um Versetzung in den Ruhestand. Im Sommer 1914 fing seine Gesundheit an nicht mehr standzuhalten. Ein Krebsleiden zehrte an seiner Lebenskraft. Am 26. August 1914 starb er in Abtsgmünd.

Der Neckarweihinger Laurentiuskirche stiftete er im Jahre 1913 ein Gemälde „Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“.
(Quelle: Chronik Neckarweihingen, 2. Auflage 1968; ab Seite 383)

 

Friedrich von Keller und Oskar Schlemmer

Steinbrecher, Friedrich von Keller 1910
Friedrich von Keller
Steinbrecher, 1910
 

Friedrich von Keller wie auch Oskar Schlemmer stammen aus bescheidenem Elternhaus. Wie stark der Lehrer Keller auf seinen Schüler eingewirkt hat darf man auf Grund der Werkdarstellungen vermuten. Die Zeit und auch die Kunstauffassungen waren im Umbruch. Aber beiden Malern war zeitlebens der Mensch das zentrale Motiv in ihrem Schaffen. Bei Friedrich von Keller, geprägt von der Realität, Oskar Schlemmer war in seiner Malerei Visionär.

  Bauhaustreppe, Oskar Schlemmer, 1932

Oskar Schlemmer
Bauhaustreppe, 1932

 

Oskar Schlemmer, * 4. September 1888 in Stuttgart; † 13. April 1943 in Baden-Baden
deutscher Maler, Bildhauer und Bühnenbildner.

Schlemmer thematisierte in seinen Werken vornehmlich die Stellung der menschlichen Figur im Raum.

1903 Ausbildung als kunstgewerblicher Zeichner in Stuttgart
Ab 1904 Fortbildungsschule, an der Figurenzeichnen und Stillehre.
1906 Aufnahme in die Stuttgarter Akademie für Bildende Künste1
1909 trat Schlemmer in die Kompositionsschule von und damit in die Meisterklasse ein.
1911 Umzug nach Berlin,
1913 zurück nach Stuttgart an die Kunstakademie und wurde Meisterschüler bei Adolf Hölzel. Erste Skizzen für sein später berühmtes Triadisches Ballett.

1920 Heirat mit Helena Tutein, von da an genannt „Tut Schlemmer“.
Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.
Noch im Jahr Berufung durch Walter Gropius an das Bauhaus in Weimar.

 

September 1922 wurde sein Triadisches Ballett in Stuttgart uraufgeführt; ein dreigliedriger Tanz, dessen Tanzfolgen sich vom Scherzhaften zum Ernsthaften entwickeln. So genannte Figurinen, von Schlemmer entwickelte Kostümkörper, zielten dabei auf eine erste „Demonstration raumplastischer Kostüme“.

Oskar Schlemmer übernahm 1923 die Ausführung für die Wandgestaltung im Weimarer Werkstattgebäude.

 

1925 übersiedelte das Bauhaus nach Dessau, wo Schlemmer nun auch die Bauhausbühne als eigenständige Abteilung leitete. Er verfasste den grundlegenden Artikel Mensch und Kunstfigur, in welchem er den Anspruch allgemeingültiger Typisierung mittels Maskierung und Kostümierung formulierte.

Ab April 1928 umfangreiche Lehrverpflichtungen am Bauhaus.

1929 Berufung nach Breslau an die Staatl. Akademie bis zur Schließung 1932.

 

Schlemmer stand nun auf dem Höhepunkt seines Wirkens. Zahlreiche Ausstellungen. Vertreten auf der XVII. Biennale in Venedig. Nahm an Gruppenausstellungen zeitgenössischer Kunst in Belgrad, Zagreb, New York und Brüssel teil.

Bereits 1930 war Schlemmers Wandgestaltung für das Weimarer Werkstattgebäude übermalt worden.

 

Ende März 1932 stellte die Breslauer Akademie ihren Lehrbetrieb ein.

Übersiedelung Schlemmers‘ nach Berlin und Leiter der Vereinigten Kunstschulen. Es entstand das bekannteste Gemälde  ” Bauhaustreppe “ (Museum of Modern Art, New York), Aufführung des Triadischen Balletts in Paris.

1933 Machtergreifung Adolf Hitlers‘

Nach und nach wurde Schlemmer nun aus der öffentlichen Kunstszene ausgeschaltet. Im März wurde seine erste große Retrospektive in Stuttgart noch vor der Eröffnung von den Nationalsozialisten geschlossen. Die Nazi-Presse bezeichnete Schlemmer als Kunstbolschewisten. Im Mai erfolgte seine fristlose Kündigung an den Berliner Vereinigten Kunstschulen. 1934 fielen seine Wandbilder für das Essener Museum Folkwang dem Bildersturm der Nationalsozialistenzum Opfer. Schlemmer zog sich aus dem offiziellen Kunstbetrieb zurück.

Ab dem 19. Juli 1937, einen Tag nach Eröffnung der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst in München durch Adolf Hitler, wurde im Galeriebau am benachbarten Hofgarten die Schmähausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt, bei der Schlemmer mit fünf Gemälden vertreten war.

Recherche: Wolfgang Kern, Maler, Grafiker, Objektdesigner aus Neckarweihingen

 

Auch das malte Friedich von Keller

Um seine Familie ernähren zu können, musste Friedrich von Keller zeitweise sein Geld mit Reklame verdienen. Das Bild von der Jahrhundertwende ziert heute noch Bügelflaschen des Schwaben-Bräu.

Rechts: Das Bild stellte uns die Dinkelacker-Schwaben Bräu GmbH & Co. KG in Stuttgart zur Verfügung.

 

 
 


Oben: Das Original-Bild wurde des öfteren verändert, wie die beiden Fotos links zeigen.

 

100. Todestag Friedrich von Keller

Zum 100. Todestag Friedrich Kellers legten Mitglieder des Bürgerverein ein Blumengebinde an seinem Grab in Abtsgmünd nieder. Roland Schmierer, der Vorsitzende, betonte dabei: "In Neckarweihingen erinnern an den Künstler nicht nur die Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Hauptstraße 72, die Friedrich-von-Keller-Schule, die Friedrich-Keller-Straße, die ehemalige Brunnenstraße in der Ortsmitte, sondern auch ein großformatiges Ölgemälde in der Laurentiuskirche und, bis heute, viele Bilder und Zeichnungen im Privatbesitz von Neckarweihinger Familien. Schautafeln über sein Leben sind außerdem im Neckarweihinger Bürgerbüro zu sehen. Sein Leben und Werk sind im Stadtteil präsent. Der Bürgerverein regte bereits nach seiner Gründung im Jahr 1993 eine große Ausstellung über ihn an, die das Städtische Museum bereits 1996 (vom 25.02. bis 08.04) dort zeigte, eine Retrospektive seiner zahlreichen Werke".

Schwäbischer Realist heute vor 100 Jahren gestorben Zum Bericht der LKZ vom 26.08.2014
 

   
Roland Schmierer   Karin Kohler   Grab Friedrich von Keller