Neues Blockheizkraftwerk auf Neckarweihinger Bauhofgelände

Aufbau des Blockheizkraftwerkes am 4. Juni 2014

 

Nachts zwischen 2 und 3 Uhr fuhr ein Schwertransporter durch Neckarweihingen, beladen mit dem Blockheizkraftwerk, das im Bauhof (beim Robinsonspielplatz) aufgebaut wurde.

 

 
     
 

Moderne und umweltfreundliche Wärmeversorgung für den Norden des Stadtteils

Neckarweihingen sollte eine Biogasanlage bekommen, durch die das Neubaugebiet Neckarterrasse und Bestandsgebäude mit erneuerbarer Energie beheizt werden – das war der ursprüngliche Plan. Doch diesen umzusetzen und auf dem Gebiet der stillgelegten Schießanlage gemeinsam mit Neckarweihinger Landwirten solch eine Anlage zu bauen, erwies sich schwieriger als erwartet. Auch die Verhandlungen mit den insolventen Vereinen der Jäger und Schützen gestalten sich sehr zeitintensiv.

Dann wurde eine neue Bundesregierung gewählt, die jetzt bei den Erneuerbaren Energien andere Schwerpunkte setzen möchte. Kleine Biogasanlagen und mit dem Biogas produzierter Strom und Wärme sollen nicht mehr wie bisher gefördert werden. „Die geplanten Neuregelungen lassen befürchten, dass die bisher für Neckarweihingen geplante Anlage nicht mehr wirtschaftlich ist und sich die hohen Investitionskosten nicht lohnen“, so Martin Klein von der den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH (SWLB).

Das Neubaugebiet Neckarterrassen ist inzwischen in Sachen regenerative Energien bestens versorgt. Da absehbar war, dass Planung und Umsetzung der Biogasanlage nicht in der gewünschten Zeit umsetzbar sind, haben sich die Stadtwerke für die ursprünglich von der Ludwigsburger Energieagentur vorgeschlagene Lösung entschieden. In dem neuen größeren Gebäude der Wohnungsbau Ludwigsburg wird derzeit eine Heizzentrale mit Holzpelletanlage und zusätzlichen Gaskesseln für besonders kalte Tage gebaut. Die hier erzeugte Wärme heizt künftig das ganze Neubaugebiet über ein Nahwärmenetz umweltfreundlich und erfüllt alle Bedingungen, die vom Gesetzgeber bei regenerativer Energie gefordert werden.

Doch was sollte in dieser Hinsicht bei den bestehenden Gebäuden im Neckarweihinger Norden geschehen? Hier besteht in mehreren Hochhäusern großes Interesse, von Heizöl auf eine moderne und klimafreundliche Heizung umzustellen. Die SWLB hat daher Alternativen gesucht und eine Lösung gefunden. Auf dem Gelände des Bauhofs ist noch genügend Platz für ein modernes Blockheizkraftwerk (BHKW). Dieses arbeitet deshalb sehr effizient, weil neben Wärme Strom produziert wird. Der Strom kann dazu auch dann erzeugt werden, wenn gerade kein Sonnen- oder Windstrom erzeugt wird. „Eine gute Lösung, um die Stromversorgung zuverlässig zu sichern“, so Martin Klein.

Mit der gleichzeitig erzeugten Wärme wird Wasser in einem großen Pumpspeicher erhitzt. Dieses heiße Wasser heizt dann wiederum bei Bedarf über eine neue Nahwärmeleitung die angeschlossenen Gebäude und sorgt für Warmwasser. Weiterer Vorteil: Auch das Kinderhaus Violetta kann mitversorgt werden. In Zukunft besteht zudem die Möglichkeit, im Sommer das Neubaugebiet mit Warmwasser über das geplante BHKW zu versorgen. Die dortige Holzpelletanlage kann so in den warmen Monaten entlastet werden. Mit einer thermischen Leistung von rund 1.300 kW und einer elektrischen Leistung von rund 1.200 kW würde die Anlage mit zu den größten BGKW der SWLB in Ludwigsburg gehören.

Sorge vor einer Lärmbelastung muss deshalb keiner der Anwohner haben. Da die Anlage komplett in einem Betonfertiggebäude errichtet wird, werden die geltenden Lärmanforderungen deutlich unterschritten. Auch die Stadt Ludwigsburg unterstützt diese Idee. „Die Hochhäuser dort verbrauchen zusammen mehr Wärme, als das gesamte Neubaugebiet Neckarterrassen“, erklärt Anja Wenninger vom Referat Nachhaltige Stadtentwicklung, die für den Stadtentwicklungsplan STEP Neckarweihingen zuständig ist. “Zusammen mit den SWLB schaffen wir es jetzt, auch für Bestandsgebäude umweltfreundliche Wärme anzubieten, die hier vor Ort hocheffizient erzeugt wird. Das ist eine wichtige Handlungsempfehlung aus unserem Gesamtenergiekonzept“.

Wenn die weitere Arbeit wie geplant verläuft, kann das neue BHKW schon in wenigen Monaten in Betrieb gehen, so dass die SWLB damit noch von der derzeit geltenden Förderung profitiert. Auch für die ursprünglich geplante Biogasanlage wäre das eine neue Chance: Die offenen Fragen können ohne Zeitdruck geklärt werden. Das BHKW könnte alternativ später auch Strom und Wärme aus Neckarweihinger Biogas erzeugen. Zunächst würden die SWLB dafür Biomethangas einkaufen.

„Eine runde Sache für Neckarweihingen, die SWLB und die Energieziele der Stadt“, freut sich Bürgermeister Michael Ilk. „Jetzt sollten wir alles daran setzen, um das BHKW rechtzeitig ans Netz zu bringen“.  Vor der Sitzung des Stadtteilausschusses am 27.03.2014, wird ab 17 Uhr ein Ortstermin beim Bauhof, Hohenrainstraße (neben dem Robispielplatz) angeboten, bei dem die Planungen erläutert werden. SWLB, Planer und die STEP-Verantwortliche werden allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern ihre Fragen beantworten.  Auch ein Besichtigung eines BHKW in Schwieberdingen, das gleich groß ist und genauso funktioniert wie das geplante in Neckarweihingen, könnte auf Wunsch der Bürgerschaft bald organisiert werden.

Quelle:
Bericht der Stadtverwaltung Ludwigsburg im Mitteilungsblatt Neckarweihingen vom 14. März 2014.