Besuch des Dorfmuseums Poppenweiler

Ansicht aussen   Ein Museum ganz anderer Art besuchten Mitglieder des Bürgervereins und interessierte Neckarweihinger am 27. September 2014 in Poppenweiler.

Das Dorfmuseum ist in einem bäuerlichen Anwesen aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Zu den vielfältigen Beständen gehören lokale archäologische Funde, eine Spielzeugsammlung mit Puppen und Kaufläden, Exponate rund um das Thema

Advent und Weihnachten, die Einrichtung einer Schuhmacherwerkstatt neben anderen Handwerken, Arbeitsgeräte für den Weinbau und die Küferei sowie Zeugnisse zum Sport und zur Freizeit in der Vergangenheit.

 

 

Am Eingang begrüßten uns Hilde Klotz, Vorstand des Heimatvereins Poppenweiler, und Doris Fengler und führten uns gleich in die Scheune. Themen hier sind der Weinbau und die Landwirtschaft. Die vielen Alltagsgegenstände zeigen, wie hart das Landleben im 19. Jahrhundert war.

 

 

Mit sehr viel Liebe zum Detail stellten die
Mitglieder des Heimatsvereins Gegenstände
aus dem Schulbereich zusammen und
veranschaulichen damit, wie schwer es
auch die Kinder in der damaligen Zeit hatten.

 

Dieser Türsturz war Bestandteil des Gebäudes
Reinhold-Maier-Straße 30, gegenüber dem
Museum. Hier wurden vormals die Pferde der
Postkutschen im Stall für die Nacht eingestellt
und versorgt. Restauriert wurde der Türsturz
im Jahr 2012 für den Heimatverein Poppenweiler.

 

Die Stihl-Zweihand-Motorsäge aus dem Jahr 1947
wurde in Poppenweiler bis zur Mitte der 60er
Jahre des vorigen Jahrhunderts für Holzarbeiten
eingesetzt. Das Schwert konnte sowohl horizontal
wie auch vertikal genutzt werden.

 

In der Scheune lauschten wir den Worten von
Frau Klotz, die uns Interessantes über die
Entstehung des Dorfmuseums erzählte.
 

 

In den 70er Jahren trafen sich ein paar Poppenweiler Bürger und beratschlagten, wie das Kulturgut, die Geschichte und das örtliche Brauchtum der ehemaligen Gemeinde Poppenweiler zu erhalten und zu pflegen seien. Diese 1975 ins Leben gerufene Interessensgruppe Poppenweiler gründete im Jahr 1979 den Heimatverein Poppenweiler und damit war ein großer Schritt in Richtung Museum getan.

Die erste Bleibe fand man bei einem Privatmann in der Steinheimer Straße. Dort konnten in einem kleinen Raum schwerpunktmäßig Gegenstände ausgestellt werden. Für die Ausstellungen warb man im Poppenweiler Blättle und es wurden Handzettel im Ort verteilt.

Im Jahr 1982 konnte der Heimatverein mit seinen bisher gesammelten Gegenständen in das Gebäude Reinhold-Maier-Straße 31 umziehen, das bis zum Jahre 1975 noch bewohnt war, und im Rahmen einer Sichelhenket der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Es gliedert sich in Wohnräume, einem landwirtschaftlichen Nutzbereich mit Scheune, Tenne, Oberling und Keller sowie einem kleinen Garten auf der Rückseite. Beim Einzug des Heimatvereines in dieses Gebäude wurde an den Räumen nichts verändert, was heute die Einzigartigkeit des Museums ausmacht.

 

Dann ging es los mit der Besichtigung.

 

Über eine steile Treppe gelangt man in den 1. Stock. Dort befinden sich die „Gute Stube“ und das Schlafzimmer, noch möbliert wie zu Omas Zeiten. Bei den knarrenden Dielen wird man an seine Kindheit erinnert. In mühevoller Arbeit mussten damals die Dielen gewachst werden.

 

 

 

 

 

In der Küche sind der Plafond sowie der Terrazzospülstein noch original erhalten. Weiterhin sind ein Kohleherd mit einem Wasserschiff, dem damaligen Boiler, sowie viele, liebevoll gesammelte Küchengeräte zu sehen.

 

 

 

In den oberen Scheunenböden gibt es eine Schuhmacherwerkstatt und eine große Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte. Wie wurde früher auf den Feldern gearbeitet das zeigen Pflüge, Eggen, Sensen, Hacken, Sicheln, Rechen, Säwannen u.v.m.. Geräte über den Flachsanbau sind ebenfalls zu betrachten wie eine Honigschleuder vom 19. Jahrhundert. Auch ein 30 Jahre altes Hornissennetz ist zu sehen.


Landwirtschaftliche Geräte

oben/rechts/unten: Schusterwerkstatt

 

Die Schusterkugel.
In das Glas in der Mitte wurde eine Kerze gestellt. In die vier Kugel wurde Wasser eingefüllt. Das streuende Licht der Kerze reichte für die damaligen Menschen aus um z.B. bei den Frauen die Aussteuer zu nähen und beim Schuster bis spät in die Nacht die Schuhe der Bauern zu reparieren. Daher der Name Schusterkugel.

 

Ein weiteres Thema ist die Hausschlachtung, die es noch bis vor ein paar Jahren in Poppenweiler gab. Und in mühevoller Arbeit wurde ein Leiterwagen, der im Übrigen aus Neckarweihingen stammt und eines der vielen Prunkstücke ist, in Einzelteilen auf den Scheunenboden getragen und in vielen Arbeitsstunden wieder zusammengebaut. In kleinen Themenecken wird die Entwicklung der Skier und Schlittschuhe dargestellt und es können alte Radios bestaunt werden.

 

Dass Wäschewaschen vor der Erfindung der Waschmaschine viel aufwendiger war, zeigen viele Sammlerstücke wie Waschbrett, Wäschemangel und eine Flügelwaschmaschine. Ein echter Schatz ist ein Eichen-Waschbrett aus dem Jahr 1730. Früher wurde das Waschbrett auch Sorgenwaschbrett genannt, denn die Frauen konnten sich beim Waschen, Schrubben ihre Sorgen erzählen. Ebenso war das Bügeln früher Schwerstarbeit. Wie gebügelt wurde und mit welchen Geräten zeigt ebenfalls das Dorfmuseum.

 

 
 

Sparherd nach dem 2. Weltkrieg
 

 

Beim Betreten eines weiteren Ausstellungsraumes im 1. Stock kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Puppenstuben, Kaufläden u.v.m. Auf vielen Flohmärkten in nah und fern konnte Frau Klotz die tollsten, schönsten und seltensten Dinge erstehen. So u.a. einen nostalgische Kaufladen aus dem Jahre 1870 mit dem Mostfässchen, der Waage und den mit Mini-Emailschildern verzierten Schubladen, der einst in der königlichen Hofbäckerei in der Unteren Reithausstraße stand. Ein weiterer Hingucker auch die Puppenküche aus dem 19. Jahrhundert, wo kein Detail fehlen darf.

 


 

Weiterhin Figuren aus Elastolin, die viele Generationen von Jugendlichen begleiteten. Hergestellt wurden diese Figuren von der Ludwigsburger Firma Hausser, die von 1910 bis 1983 die Masse- und Kunststofffiguren herstellte.

 

 

 

Frau Klotz erzählte mit sehr viel Begeisterung über die jährliche Weihnachtsausstellung im Dorfmuseum, die der Heimatverein jedes Jahr aufs Neue zum einmaligen Erlebnis macht.  Dazu werden aus dem Archiv weitere viele wertvolle Puppenstuben, Kaufläden, Puppen etc. geholt, liebevoll geputzt und ausgestellt. Das Kommen zu dieser Ausstellung an Weihnachten lohnt sich.

 

Nach der Besichtigung ging es wieder ins Erdgeschoß. Im ehemaligen Rinder- und Schweinestall, die Tröge sind noch zu erkennen, wurde ein gemütlicher Aufenthaltsraum mit einer kleinen Küche und einer Sammlung an alten Emailgeschirr eingerichtet. Bei Kaffee und Kuchen wurde Frau Klotz von den Mitgliedern des Bürgervereins und seiner AG „Ortsgeschichtliches Museum“  mit Fragen förmlich „bombardiert“, die sie in aller Ruhe, Freundlich- und Herzlichkeit, beantwortete.

 

 

 

Ein Wiederkommen lohnt sich!